Tiergestützte Pädagogik auf dem Bauernhof in Idensen
Als Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung verstehen wir Lernen als ganzheitlichen Prozess. Neben der Vermittlung kognitiver Inhalte stehen die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung, der sozialen Kompetenzen, der Selbstständigkeit und der emotionalen Stabilität im Mittelpunkt unserer pädagogischen Arbeit. Außerschulische Lernorte spielen dabei eine zentrale Rolle.
Seit dem Schuljahr 2016/2017 besuchen verschiedene Klassen der Schule am Deister regelmäßig den Bauernhof von Bernd Hildebrandt in Idensen. Der Hof mit seinen Eseln, Pferden, Schweinen, Schafen, Hühnern, Gänsen, Kaninchen, Katzen und einem Hund ist ein zentraler außerschulischer Lernort im Rahmen unserer tiergestützten pädagogischen Arbeit.
Tiergestützte Pädagogik versteht Tiere als soziale Interaktionspartner, die Lern- und Entwicklungsprozesse auf emotionaler, sozialer und handlungspraktischer Ebene unterstützen. Die unmittelbare, authentische Reaktion der Tiere ermöglicht Erfahrungslernen im Sinne eines ganzheitlichen Bildungsansatzes.
Erfahrungslernen und Selbstwirksamkeit
Nach einer gemeinsamen Arbeitsbesprechung mit den Mitarbeitenden des Hofes übernehmen die Schülerinnen und Schüler konkrete Aufgaben: Ställe ausmisten, Tiere versorgen, Weiden vorbereiten oder Materialien transportieren. Gearbeitet wird in kleinen Gruppen, begleitet durch fachlich geschulte Erwachsene.
Durch diese handlungsorientierten Tätigkeiten erleben die Jugendlichen Selbstwirksamkeit – sie erfahren, dass ihr Tun unmittelbare Bedeutung und sichtbare Auswirkungen hat. Dies stärkt Motivation, Verantwortungsbewusstsein und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Gerade Schülerinnen und Schüler, die im schulischen Kontext häufig Misserfolgserfahrungen machen, profitieren von dieser ressourcenorientierten Arbeitsweise. Praktisches Tun ermöglicht Erfolgserlebnisse unabhängig von kognitiven Leistungsanforderungen.
Soziale und emotionale Entwicklung
Die Tierbegegnungen – etwa beim Führen der Esel, beim Reiten, bei Planwagenfahrten oder beim Versorgen und Beobachten der Tiere – fördern zentrale sozial-emotionale Kompetenzen.
Im Kontakt mit den Tieren lernen die Schülerinnen und Schüler:
- nonverbale Kommunikation wahrzunehmen und zu interpretieren,
- Impulskontrolle zu entwickeln,
- eigene Emotionen zu regulieren,
- Empathie und Verantwortungsgefühl auszubilden,
- Grenzen zu erkennen und zu respektieren.
Tiere reagieren unmittelbar, ehrlich und ohne Bewertung. Diese Form der Rückmeldung unterstützt Prozesse der emotionalen Regulation und fördert Beziehungsfähigkeit sowie soziale Sensibilität.
Struktur, Naturerfahrung und Regulation
Die klaren Arbeitsabläufe auf dem Hof bieten Orientierung und Struktur. Gleichzeitig ermöglicht die natürliche Umgebung intensive Sinneserfahrungen. Naturerleben wirkt nachweislich stressreduzierend und unterstützt die psychische Stabilisierung.
Wir erleben viele unserer Schülerinnen und Schüler auf dem Hof als besonders ausgeglichen. Zurückhaltende Kinder zeigen mehr Kommunikationsbereitschaft, impulsive Jugendliche gewinnen an Selbstkontrolle. Der Lernort Bauernhof bietet damit einen geschützten Rahmen für Persönlichkeitsentwicklung und soziale Integration.
Ein nachhaltiger Baustein unseres pädagogischen Konzepts
Der regelmäßige Besuch des Hofes ist kein isoliertes Angebot, sondern ein fest verankerter Bestandteil unseres schulischen Konzepts. Er verbindet handlungsorientiertes Lernen, soziale Förderung, Naturerfahrung und tiergestützte Intervention in einem ganzheitlichen Ansatz.
So entstehen Lernerfahrungen, die im Klassenraum allein nicht möglich wären – nachhaltig, praxisnah und individuell wirksam.



